Kurbelwelle blockieren

Rund um den Motor der ZZR 600
rainer64
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Kurbelwelle blockieren

Beitragvon rainer64 » 18.05.2017, 20:24

Kann mir jemand sagen, wie ich am besten die Kurbelwelle blokiere um den Anlasserfreilauf abzubauen.
Es gibt am Motorrad keinen Werkzeugansatz.

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Oppa
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Re: Kurbelwelle blockieren

Beitragvon Oppa » 18.05.2017, 20:29

Kannst Du Dich vorstellen? ;)
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Re: Kurbelwelle blockieren

Beitragvon dr.gonzo » 19.05.2017, 23:42

Also die einfachste Methode STATT irgendwas festzusetzten ist immer der Schlagschrauber ;) Wenn er sich denn hier anbietet (am Anlasser hab ich selba noch nix gemacht). Natürlich muss dann auch gewährleistet sein, dassde es mit selbigen auch wieder fest bekomms, ggf. bei passendem Drehmoment. Höchsten Gang einlegen und Fußbremse, oder Karre vor ne Wand parken kann zusätzlich helfen. Aber Achtung, dass sie sich bei eingelegtem Gang nicht selbstständig macht ;) Kill-Switch + 2ten Mann/Frau!

Eine korrekte Festsetzmethode ist z. B. nen passenden Bolzenstift ins Zündkerzenloch (statt der Kerze) einzuschrauben, die dann am Kolben anliegt und so alles nach unten festhält. Ich hab mein Werkzeug mal geschenkt bekommen, denke man kann sich aber auch schnell selbst was drehen (lassen). Einfach ne Kerze als Vergleich fürs Gewinde und für den Kopf nehmen, in den Brennraum hinein verlängert. LiMa lässt sich so auch schön aufschrauben.
(Foto vom Werkzeug auf Anfrage)

Ansonsten wäre da noch die Methode mitn alten Riemen, densde (bei der LiMa oder bei Riemenscheiben am Auto - fürn Anlasser kann ichs nicht sagen) zum "Festsetzen" drumspannst und mit Handkraft festhälst. Bei sauberen Flächen ist der Reibkoeffizient, und damit die Haltekraft, sehr hoch. Da brauchste dann n zweiten Mann/Frau meist, um (dann auch meistens) mitm Schlagschrauber zu lösen. Wieder Festziehen beachten! (vgl. ersten Abschnitt)

Viel Erfolg ;)
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Re: Kurbelwelle blockieren

Beitragvon rainer64 » 20.05.2017, 22:24

Danke für die Beschreibungen. Ich werde es wohl mit so einem Kolbenfeststeller probieren.
Jetzt müßte ich nur noch wissen ob die Schraube am Anlasserfreilauf links oder rechts rum aufgeht?
Könnte auch ein Linksgewinde sein.
Gruß, rainer

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Re: Kurbelwelle blockieren

Beitragvon ZiemlichZügigerRacer » 21.05.2017, 18:47

Wieso Blockierst du nicht einfach das Hinterrad mit einem Stück Holz ?

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dr.gonzo
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Re: Kurbelwelle blockieren

Beitragvon dr.gonzo » 06.06.2017, 07:23

@ Maik:
das mit dem Holz geht (in den meisten Fällen) nur im Zusammenspiel mit nem Schlagschrauber. Aber könntest recht haben, bei der Untersetzung am Starter könnts sogar auch so klappen.

@ rainer64:
steht im WHB ;) Habs mal grade für dich überflogen, nichts von Linksgewinde gelesen soweit (ohne Garantie). Viel Erfolg!
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Re: Kurbelwelle blockieren

Beitragvon oxtorner » 07.06.2017, 13:00

Hi,
sorry, aber erst jetzt gelesen! Dazu ist etwas anzumerken:
dr.gonzo hat geschrieben:Eine korrekte Festsetzmethode ist z. B. nen passenden Bolzenstift ins Zündkerzenloch (statt der Kerze) einzuschrauben, die dann am Kolben anliegt und so alles nach unten festhält. Ich hab mein Werkzeug mal geschenkt bekommen, denke man kann sich aber auch schnell selbst was drehen (lassen). Einfach ne Kerze als Vergleich fürs Gewinde und für den Kopf nehmen, in den Brennraum hinein verlängert. LiMa lässt sich so auch schön aufschrauben.


Keine Ahnung, wo das die korrekte Methode sein soll. Vielleicht bei Schiffsdieseln oder ähnlich großen Maschinen. Warum man es tunlichst lassen sollte, bei Mikromaschinen wie einem 600 cm³ Vierzylinder einen Kolben zu blockieren, ergibt sich, wenn man sich vorstellt, was man da genau macht. Schraubt man einen Stahlstift in die Kerzenbohrung, so trifft das Ende des Stahlsiftes den Kolben wo? Da, wo der Steg zwischen den Taschen für die Ventile ist. Also das ist mitnichten eine Ebene, sondern erstens gewölbt, was der ganze Kolbenboden ist, und zweitens finden sich da keine 10 mm, wo der Stift voll aufliegt. Damit hat man eine hervorragende Chance, sich eine Macke in den Kolbenboden zu drücken. Und Macke im Kolbenboden kann heissen, dass der thermische Ausgleich nicht mehr richtig funktioniert. Wer mal nachrechnet, wielange der Kolben Zeit hat, zwischen den Verbrennungen seine Wärme los zu werden, und wie die Motorenhersteller tricksen, damit das auch sicher funktioniert, der will da nichts dran ändern. Noch nicht mal versehentlich.

Weiter, und noch wichtiger: Der Kolben ist nicht symetrisch! Damit ist hier gemeint, dass die Kolbenbolzenbohrung einige tausendstel bis hunderstel Millimeter ausserhalb der Mittelachse liegt. Das macht man, um das unvermeidliche Kippen des Kolbens an den Totpunkten zu mindern. Egal wo der Kolben steht, wenn man ihn per eingeschraubten Bolzen festsetzt, er wird, wenn das Spiel von Bolzen, Pleuel und Pleuellager weg ist, zur Seite kippen und sich auf der einen Seite mit einem Feuersteg und auf der anderen Seite mit dem Kolbenhemd am Zylinder abstützen. Das gibt, wenn genug Kraft eingeleitet wird, eine Macke am Feuersteg und am Zylinder. Wahrscheinlich nicht sehr, aber doch. Das heisst nichts anderes, als das der Zylinder bzw. der Kolben nicht mehr genau rund ist.

Dann, und auch nicht zu verachten, Kolben, Bolzenauge, Bolzen, Pleuel und Pleuellager sind für statische Belastung nicht gemacht. Stimmt, ein Zylinder erzeugt gut 25 PS, aber das ist dynamisch, womit gemeint ist, dass niemals plötzliche Lastspitzen entstehen. Auch nicht bei der Zündung. Das Gemisch detoniert nicht, sondern verbrennt langsam und dabei bewegt sich der Kolben. Im Betrieb hat der Kolbenbolzen keinen direkten Kontakt, sondern schwimmt auf einem Ölfilm. Das gleiche gilt für die Pleuellager. Leitet man die Last sehr langsam ein, und das macht man, wenn man den Kolben blockiert, dann drückt das Öl weg und alle Lagestellen haben punktuellen Kontakt. Was nichts anderes heisst, als das Stahl (Kolbenbolzen und Kurbelwelle) auf Alu bzw. Buntmetall drückt. Aus rund wird da ziemlich leicht oval. Und das heisst auf Dauer: Die Schmierung funktioniert nicht mehr.

Ich habe solche Blockierwerkzeuge nur dazu genutzt, den oberen bzw. unteren Totpunkt zu bestimmen. Übrigens nicht des Kolbens, dass geht auf Grund des Spieles nur bedingt, sondern der Kurbelwelle.

Die einzige Möglichkeit, den Motor zu blockieren ist, die Kurbelwelle festzuhalten. Alles andere wird ziemlich sicher auf die Lebensdauer des Motors gehen. Nichts am Motor ist für einen punktuellen Lasteintrag ausgelegt, sondern immer mit einem dämpfenden Ölfilm, der die Last großflächig verteilt. Selbst da, wo das größte Drehmoment übertragen wird, (Kettenblatt) ist eine Schmierung und eine flächige Lastverteilung vorgesehen. Und da geht nicht Weichalu und Stahl aufeinander, sondern gehärteter Stahl auf gehärtetem Stahl.

Definitv würde ich Blockadeaktionen am Kolben lassen! Was spricht denn dagegen, einen Gang einzulegen und die Bremse zu betätigen? Mit einem pneumatischen Schlagschrauber sollte sich die Verbindung dann leicht lösen lassen. Möglicherweise geht auch ein Handschlagschrauber, vorausgesetzt, man kann ihn richtig bedienen. Tief in den Achzigern des letzten Jahrhunderts hatte ich mal das Problem, dass sich das Ritzel an meinem damaligen Mopped nicht lösen ließ. Auch nicht mit einem drei Meter langen Hebel! Damit habe ich die Gedore Nuß geknackt, aber nicht die Mutter gelöst. Geholfen hat ein Waggonbaubetrieb. Riesiger Schlagschrauber mit 1" Aufnahme! Drangehalten und sssssssssssit war die Mutter ab. Das Motorrad hat sich bei der Aktion maximal einen Zentimeter bewegt. Heiermann für die Kaffeekasse, Satz Kippen für alle und ein wenig Lästerei von den Leuten. So in der Art: "Guck mal bei dem Uhrmacherzeugs, ob da eine 22er mit zölliger Aufnahme ist." Waggonbau oder Werft ist ja zum Glück nur selten nötig. Die Schlagschrauber selbst von Reifenhökern sind gut genug für die meisten Probleme. Fragen hilft.

Hth
oxtorner
Nenn mich nicht Biker, ich habe Dir nichts getan!


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