Einstellung der Leerlaufgemischschrauben mittels elektronischem Drehzahlmesser

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Jim.Vier
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Einstellung der Leerlaufgemischschrauben mittels elektronischem Drehzahlmesser

Beitragvon Jim.Vier » 02.08.2016, 14:58

Anleitung zum Einstellen der Leerlaufgemischschrauben am Vergaser
Diese Anleitung ist für Leute gedacht, die das Leerlaufgemisch am Vergaser einstellen wollen und diese Einstellung nicht nach Gehör können.

Anzuwenden, z.B. nach einer einer kompletten Zerlegung der Vergaser mit anschließender Synchronisation oder einfach zur Optimierung.

Als Hilfsmittel wird ein elektronischer Drehzahlmesser verwendet, den es im Internet bereits ab 10 Euro gibt.
Des weiteren natürlich noch ein passender kurzer Schlitzschraubendreher.
Drehzahlmesser.jpg


Der Drehzahlmesser sollte Drehzahlunterschiede von 10 U/min anzeigen können.
Angeschlossen wird dieser, indem die Abnehmerleitung des Meßgerätes 5 bis 7 mal um eines der Zündkabel gewickelt wird. Welches der 4 Kabel genommen wird, ist völlig egal

Die Leerlaufgemischschrauben (LLGS) befinden sich an den Vergasern hier:
Schraube1.JPG

schraube2.jpg


Jetzt zu der Einstellung:
Das Kabel des Drehzahlmessers wird einfach 5-7 mal um eines der Zündkabel gewickelt und somit kann man die Frequenz am Zündkabel abnehmen, die der Drehzahlmesser dann, je nach Einstellung, auf 2/4Takter oder verschiedenen Zylinderanzahlen umrechnet. Es kommt dabei jedoch nur darauf an, dass man sieht, dass sich die Drehzahl des Motors ändert, wenn man an einer der LLGS dreht.
Wir gehen davon aus, dass:
- Motor ist warmgelaufen
- es wird keine Falschluft gezogen
- LLGS haben Grundeinstellung (2,5 Umdrehungen raus)
- Vergaser sind synchronisiert
- Standgas ist so eingestellt ist, dass der Motor gerade so noch sauber läuft.
Festlegung: LLGS raus = fetteres Gemisch und LLGS rein = magereres Gemisch bedeutet. (Anmerkung: Hab das irgendwo bei nem Vergasertyp auch mal andersherum gelesen.)
Wir fangen mit der LLGS vom Vergaser 1 an.
Fällt jetzt beim Drehen der LLGS die Drehzahl, dann wird einfach anders herum gedreht.
Steigt die Drehzahl, drehen wir weiter raus.
Mehr Drehzahl bei gleicher Standgaseinstellung, bedeutet, dass das Gemisch sich zu einem günstigeren Verhältnis aus Kraftstoff und Luft ändert.
Dann vorsichtig mit Gefühl weiterdrehen und dabei die Anzeige des elektronischen Drehzahlmessers beobachten. Irgendwann kommt ein Bereich, indem man zwar etwas weiter drehen kann, sich die Drehzahl nicht mehr ändert. Diesen Bereich nenne ich Plateau. Er liegt in einem Bereich von etwa ¼ bis ½ Umdrehungen der LLGS.
Zur Verdeutlichung. Sagen wir mal, dass dieser Punkt, bei z.B. 12 Uhr liegt. Das ist der Punkt, an dem ein Plateau erreicht wird und den merken wir uns.
Hier bleibt die Drehzahl jetzt bis zu einer Umdrehung auf z.B. 4 Uhr konstant und fällt danach wieder ab, wenn man weiterdreht, da dann das Gemisch, in unserem Fall jetzt, wieder zu fett wird. Dreht man dann noch weiter, würde irgendwann nicht mehr viel in der Drehzahl passieren. Aber da wollen wir ja auch nicht hin.
Jetzt stellen wir die Schraube also auf Mitte des Plateaus zurück. In unserem Falle also auf 2 Uhr.
In dem von mir erstelltem Bild sieht man den Zusammenhang zwischen der Drehzahl und den Umdrehungen der LLGS.

LLGS Kurve.JPG


Mittels der Anzeige von 10er Stellen des Drehzahlmessers, kann definiert das Drehzahl-Plateau gefunden werden, ein ganz schmaler Bereich, in dem die optimale Ausbeute des Gemisches aus Benzin und Luft dann erreicht wird.
Hat man dies am ersten Vergaser gemacht, dann stellt man die Standgasdrehzahl an der Welle auf der linken Motorseite wieder etwas runter und wiederholt den Vorgang in gleicher Weise an Vergaser 2, 3 und 4.

An der Drehzahlveränderung ergab sich z.B. bei meiner ZZR600, an der ersten Einstellschraube eine Anhebung von 1040 auf 1050 Umdrehungen. Die Vorgehensweise hab ich an den restlichen Vergasern wiederholt und so insgesamt 40 U/min bei 4 Vergasern rausgeholt. Ich hatte da wohl mit der Grundeinstellung von 2,5 Umdrehungen raus, ne gute Einstellung getroffen. Am Ende dieses Textes hab ich mal aufgezählt, wie es sich meiner Meinung nach ausgewirkt hat.
Der Zeitaufwand, wenn wir uns jetzt mal nur auf das Einstellen der LLGS am Vergaser beschränken (Ab- und Anbauarbeiten von Verkleidungen, Tank usw. nicht berücksichtigt), ist fix erledigt und dauert wesentlich kürzer, als das Lesen dieser Beschreibung hier. ;-)

Mein Fazit, Daumen nach oben und es lohnt sich, denn:
- die Laufruhe ist wesentlich besser geworden, sie läuft gleichmäßiger
- die Drehzahl folgt bei der Gas An- und Wegnahme ohne Verzögerung
- der Motor springt besser an
- die Gasanahme und Beschleunigung aus niedrigen Drehzahlbereichen ist wesentlich besser als zuvor
- keinerlei Teil-, Konstantlast- oder Schubruckeln mehr
- viel angenehmer wie sich der Motor auch im Standgas anhört
- bessere Ausnutzung des Treibstoffes im unteren und mittleren Drehzahlbereich durch die Optimierung. Ergo, also weniger Verbrauch
Ich nehme nicht in Anspruch alles zu wissen, noch dass ich nichts mehr dazu lernen kann :D

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