Tourenklapphelm: Nolan N104 Evo mit N-Com B5L ESS

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Silencer
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Tourenklapphelm: Nolan N104 Evo mit N-Com B5L ESS

Beitragvon Silencer » 24.07.2016, 22:02

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Bei Klapphelmen mit Tourenaustattung und integriertem Bluetoothsystem gibt es keine allzu große Auswahl. Ich habe mir den fast aktuellen N104 von Nolan und die zugehörige, brandneue Kommunkationslösung N-Com B5L mal genau angesehen - und sofort am ersten Tag kaputt gemacht. Ich schreibe meine Erfahrungen hier mal auf, weil sich diese Informationen sonst nirgendwo im Internet finden.

"Ein Motorradhelm sollte nach fünf bis sieben Jahren ausgetauscht werden", sagen "Experten". Weil: "Die Weichmacher im Kunststoff verflüchtigen sich, dann wird die Helmschale spröde und verliert ihre Schutzwirkung." Bei Experten muss man immer genau hinsehen, von wem die bezahlt werden...

Ich persönlich glaube nicht, dass man pauschale Aussagen über die Haltbarkeit machen kann. Dazu spielen zu viele externe Faktoren eine Rolle. Meinen sehr geliebten Nolan N90 habe ich jetzt dennoch nach fünf Jahren und 45.000 Kilometern in den Vorruhestand geschickt. Er war nämlich nicht mehr dicht. Regen, insbesondere von der starken Sorte, wie wir sie im Juni öfter hatten, schlug durch die Visierdichtungen. Hat man erstmal Tropfen auf der Innenseite des Visiers, sieht man nur noch wenig. Außerdem saß der Helm nach der diesjährigen Sommerfahrt nicht mehr wirklich fest auf dem Kopf. Das Innenfutter hatte sich im Laufe der Zeit geweitet. Beides ist sicherheitsrelevant, deshalb kam ich um einen Neukauf nicht rum.

Etwas Neues sollte also her, wieder ein Klapphelm und wieder mit Bluetooth. Von der Sorte gibt es nicht viele. Die teureren Helme der Firma Schuberth gelten gemeinhin als Referenz in der Klasse. Will man von denen aber etwas Hochwertiges haben, muss man inkl. Bluetooth 800 Euro auf den Tisch packen. Günstiger, aber ebenfalls gut sind die Helme der italienischen Firma Nolan. Beim Helmkauf sollte der Preis natürlich nicht die erste Geige spielen. Das Wichtigste ist, dass der Helm perfekt passen muss. Ich habe einfach keinen Schuberth-Kopf, Nolan-Helme dagegen passen mir gut. Die bisherigen Erfahrungen mit dem N90 waren prima, darum fiel mein Auge nun auf die N104-Serie von Nolan. Das ist quasi der Nachfolger und große Bruder von meinem N90.


Als 2012 der N104 rauskam versprach Nolan nicht weniger als den besten Helm, den sie je gebaut hatten. Eine Revolution, the Best of the Best. Fachpresse und die Motorradfahrer waren sich schnell einig: Das war maßlos übertrieben. Der erste 104 war ein netter Helm, aber viel zu laut. Die Windgeräusche bei schneller Fahrt seien unerträglich, las man.

Gut, sowas sagte man über meinen alten N90 auch, aber dennoch besserte Hersteller Nolan nach und schob 2015 den N104 Evo in den Markt, der eine neue Lüftung mitbrachte und durch ein anderes Innenfutter ruhiger sein sollte. Der Evo wird jetzt gerade abgelöst durch den N104 Absolute, der nochmal leiser sein soll.

Im hiesigen Helmfachgeschäft standen jetzt beide Helme, Evo und Absolute, direkt nebeneinander, und ganz ehrlich: Bis auf genau eine geänderte Stelle an der Kinnriemenpolsterung und etwas andere Materialien im Innenfutter habe ich keinen Unterschied feststellen können. Was sich dagegen stark unterscheidet ist aktuell der Preis: Satte 130 Euro unter normalem Verkaufspreis sollte die Nobelvariante "Classic" des Auslaufmodells N104 Evo kosten, und damit immer noch 100 Euro weniger als die Billigvariante "N104 Special Absolute" des Nachfolgers. Sogar die Farbe gefiel mir.

Das ist er, mein neuer Nolan N104 Evo in Platinsilber.

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Obwohl er etwas größer ist als der N90, wiegt der N104 mit 1580 Gramm rund 120 Gramm weniger. Über dem silbernen Metalliclack ist eine Schicht Klarlack, was dem Helm ein wertiges und metallisch-schimmerndes Finish gibt. Passenderweise genau in der Farbe meiner ZZR 600.

Visier und Blickfeld
Was sofort auffällt, vor allem im Vergleich mit dem alten Helm: Das Visier ist riesig.
Links der neue N104, rechts der alte N90.
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Theoretisch hat man damit einen riesigen Rundumblick. Leider geht der zusätzliche Raum des Visiers in die falsche Richtung, nämlich nach unten. Dadurch wird mein Blickfeld an einer Stelle größer, an der ich es nicht bräuchte. Dafür sieht man im neuen Helm von Außen nun fast mein ganzes Gesicht, was ich nicht gut finde, denn jetzt sehen Autofahrer, wenn ich ihnen die Zunge rausstrecke.

Das Visier bringt von Haus aus ein Pinlock mit, das ist eine zweite Visierscheibe, die das Beschlagen des Helmes verhindert. Sie tut das so zuverlässig, dass ich nie wieder einen Helm ohne Pinlock fahren werde.

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Kinnteil
Der N104 ist ein Klapphelm. Nolan-typisch ist die Entriegelung mit einer Hand möglich: Zuerst zieht man die Taste am unteren Helmrand leicht vor, dadurch fährt darüber ein roter Hebel aus. Drückt man den runter, entriegelt sich der Helm und das Kinnteil kann hochgeklappt werden. Für den Fahrer ist das sehr einfach, für Ersthelfer ein Albtraum. Für Brillenträger ist der N104 ideal, denn die Brille braucht man nicht abzunehmen um den Helm ab- oder aufzusetzen.

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Der N104 hat eine Zulassung als Jethelm, d.h. man kann die Lade aufgeklappt mit einem Schalter fixieren und dann offen fahren. Raten würde ich das niemandem. Ich mache das selbst auch nicht, wenn ich aufgeklappt fahre, fühlt sich das genauso falsch und nackt an wie Autofahren ohne Gurt.
Arretierungsschalter:
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Auf der Vorderseite und oben finden sich Einlässe für die Belüftung, und die hat ihren Namen auch verdient. Sogar ein wenig zu sehr, denn eigentlich sollte man keinen Luftzug am Kopf spüren. Sinn und Zweck der Lüftung ist eigentlich, dass angesaugte Luft durch die Venturikanäle im Helminneren zur Entlüftung an der Helmrückkseite strömt und dabei warme Luft mitreißt und so abtransportiert. Einen Luftzug sollte man eigentlich nicht spüren, beim N104 ist das bei voll geöffneter Belüftung aber der Fall. Ob das bei längeren Fahrten nervt, kann ich noch nicht sagen.
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Vordere Lüftung für das Visier. Beim 104 Classic, wie hier, in Helmfarbe, beim günstigeren "104 Special" sind die mattschwarz.
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Der Auslass der Venturikanäle auf der Helmrückseite. Beim N104 Evo sind die in Helmfarbe, beim günstigeren "Special" sind die schwarz
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Sonnenblende
Genauso zwiespältig wie die Lüftung ist die neue Mechanik für die Sonnenblende. Der Schiebeschalter sitzt nun ganz am unteren Helmrand. Dadurch ist er ein klein wenig besser mit Handschuhen zu fassen. Der Preis dafür: Es entfällt die Möglichkeit an dieser Stelle ein externes Kommunikationssystem wie z.B. das Scala Cardio Rider anzuklemmen. Das Sonnenvisier spannt beim Runterschieben eine Feder, und ein Druck auf eine sehr exponierte Taste lässt es zurück in den Helm springen. Ein Sicherheitsfeature, weil man so im Bruchteil einer Sekunde das Sonnenvisier wegbekommt und nicht, z.B. bei Tunneleinfahrten, erst rumfummeln muss und dann ggf. plötzlich im Dustern steht. Allerdings ist der Federmechanismus noch ein Teil mehr, das potentiell kaputt gehen kann.

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Verschluss
Gesichert wird der Helm mit einem Mikrolock2-Verschluss. Das ist ein Steckverschluss mit einer Ratsche. Genauso sicher wie Doppel-D-Verschlüsse, aber ohne Fummelei bedienbar.

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In der Praxis
Sitz- und Fahrtechnisch macht sich der N104 sehr gut. Die Polster sitzen straff ohne zu drücken. Der Helm liegt ruhig im Fahrtwind. Gelegentlich liest man, dass sich Leute über selbstschließende, wackelnde oder flatternde Visiere beschweren. Das kann ich nicht bestätigen, das halboffene Visier bleibt bei mir auch bei schneller Fahrt halboffen und vibriert auch nicht, genau sowenig die Sonnenblende. Das ist alles solide und gut verarbeitet, da klappert und knarzt nichts, alles sitzt und ist wertig.

Der tiefer eingezogene Kragen schließt nun genau mit dem Windabweiser ab, was in der Theorie die Windgeräusche reduzieren soll. Klappt in der Praxis aber nur bedingt: Der N104 Evo ist nach wie vor kein leiser Helm. M.E. kommt das auch durch die Versuche, den Helm möglichst dicht zu bekommen. Mein alter Nexo Touring II etwa saß um die Ohren rum nicht so fest wie der N104, war nach unten total offen und kannte sowas wie Windabweiser gar nicht, und war vermutlich genau deswegen subjektiv leiser. Der N104 ist wesentlich leiser als das Vorgängermodell, der N103, im Vergleich zum N90 gibt es aber keine großen Unterschiede.

Beim N104 machen sich Windgeräusche ab Geschwindigkeiten von 100 km/h bemerkbar. Ab da beginnt das Rauschen unangenehm zu werden und sich zu steigern. Geschwindigkeiten von 160 und mehr sollte man auf keinen Fall länger als ein paar Minuten ohne Gehörschutz fahren. Mir persönlich ist das egal, wenn ich mehr als 20 km am Stück fahre, dann sowieso mit einem Gehörschutz von Alpine. Der filtert die Frequenz von Windgeräuschen aus, lässt aber alles andere durch.

Alles in Allem ist der Nolan N104 Evo ein solider und günstiger Tourenhelm mit leichten Schwächen. Die sind für mich aber nicht so ausschlaggebend, dass er sich dadurch disqualifizieren würde.

N-Com B5L mit ESS
Das Nolan den Einsatz von externen Kommunikationssystemen behindert ist durchaus in ihrem Interesse. Seit etlichen Jahren fertigen die Italiener eigene, interne Bluetoothlösungen. Meine Wahl fiel auf das B5L, für das der Helm bereits vorbereitet ist.

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Der Einbau ist denkbar einfach und in 10 Minuten erledigt. Helmkragen abnehmen, Kommunikationseinheit in das dafür vorgesehen Fach einsetzen, Bedienteil und Lautsprecher an die entsprechenden Stellen klipsen, fertig. Kein Vergleich zu der Fummelei beim N90, damals, mit dem Basiskit und Bluetoothsatz 1.3.

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Das B5L bringt ein interessantes Feature mit: Eine LED-Leuchte. Die sitzt hinten am Helm und wird über einen Beschleunigungssensor aktiviert. Sinn des Ganzen: Bei Vollbremsungen löst die superhelle Leuchte aus und fungiert damit als Notbremslicht.

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Dieses ESS (Emergency-Stop-System) ist auf dem Papier eine tolle Idee und ein Sicherheitszugewinn, in der jetzigen Ausführung aber kaum zu gebrauchen. Der Beschleunigungssensor löst die Leuchte auch schon bei schnellen Kopfbewegungen aus. Verbindet man den Helm mit einem Computer, kann man zwar die Empfindlichkeit des Sensors runterregeln, aber schon auf der nur zweitempfindlichsten Stufe löst der dann gar nicht mehr aus.

Ebenfalls problematisch ist die Auslöseverzögerung, die mit 0,5 Sekunden (!) und mehr (!!) viel zu lang ist. Die Leuchte sprang erst an, als der Helm schon lange auf Null abgebremst war. Bei Notbremsungen kommt es auf Sekundenbruchteile an, und eine Bremsleuchte, die erst eine Ewigkeit nach Einleiten der Bremsung anspringt, ist schlicht unnütz. Ich gebe gerne zu das meine Testmethode etwas lökerig war: Ich habe den Helm in den Armen gehalten, schnell bewegt und dann abrupt abgebremst. Aber immerhin hat dieses "händische" notbremsen gereicht um die ESS-Funktion auszulösen. Nur leider viel zu spät.

Die Leucht im B5L auch keinen anderen Modus als Notbremsung. Das ESS kann man auch separat kaufen, die Stand-alone Version beherrscht dann aber auch Modi wie Warnblinken, Nebelschlussleuchte und Dauerlicht. Warum es das in der 200 Euro teureren Paketlösung mit der Bluetooth-Kommunikation nicht mehr gibt, verstehe ich nicht.

Ebenfalls ein richtig hartes Problem ist die Verarbeitung. Die ESS-Leuchte wird außen auf den Helm geklebt und ist mit der Steuereinheit über ein dünnes Folienkabel verbunden. Unter der aufgeklebten Leuchte befindet sich die Schraube der Helmverkleidung. Um die zu öffnen, z.B. um das Innenfutter zum Waschen rauszunehmen,  muss man die ESS-Leuchte vorsichtig mitsamt Klebepad wieder ablösen.

Ich war vorsichtig, und trotzdem hatte ich gleich beim ersten Mal das Folienkabel in der Hand. Die Dinger kann man nicht reparieren, ich hatte damit also innerhalb des ersten Tages das 280 Euro teure System geschrottet!

Immerhin funktioniert der Kommunikationsteil auch ohne die LED-Leuchte. Da ich jetzt eh schon beim kaputtmachen war, hatte ich auch weniger Hemmungen zum Seitenschneider zu greifen und das zweite Ärgernis des B5L zu entfernen: Das Mikrofon. Das sitzt bombenfest im Helm, an einem flexiblen wie starken Metallflexarm. Das ist eigentlich erstmal gut, genauso will man das eigentlich. Qualitativ ist hier nichts auszusetzen. Ich habe nur ein Problem mit der Schwanenhalskonstruktion an sich.

Bei Vollintegralhelmen ist ein Schwanhals ideal, man stopft ihn ein Mal in den Kinnteil des Helmes und gut ist. Bei Klapphelmen funktioniert das aber nicht, man muss man bei jedem Aufsetzen des Helmes den Mikrofonarm umständlich wieder unter dem Windabweiser durch in das Kinnteil biegen. Beim N104 ist das  so beengt, dass mir das Mikro dauernd im Bart oder in der Nase oder im Auge steckte. Leider kann man es nicht, wie beim alten 2er-System, einfach vom System abstecken demontieren. Man muss es allen Ernstes abschneiden.

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Ich sehe vollkommen ein, dass aus Sicht der Ingenieure ein Kommunikationssystem ohne Mikro quasi sinnlos ist. Ich kann auch nachvollziehen das es effektiv scheint, das Mikro gleich in die Halterung der Lautsprecher einzugießen.
Ich habe da aber durchaus meine Anwendungsfälle für so ein kastriertes System. Ich will nämlich während der Fahrt gar nicht telefonieren, und ich will auch nicht mit der Sozia oder Mitreisenden sprechen. Ich will nur die Ansagen des Navis und vielleicht mal Musik hören, aber nicht reden. Für mich ist ein abnehmbares Mikro eigentlich unverzichtbar. So musste ich das System zerstören, um ständiger Fummelei bei jedem Helmaufsetzen zu entkommen. Nun werde ich nie wieder darüber kommunizieren können, rückgängig machen lässt sich das Abschneiden des Mikros nicht.

Die gute Nachricht: Auch nach dem Abknipsen des Mikros (was harte Arbeit war, der Schwanenhals ist echt hochwertig gearbeitet) ist das B5L voll funktionstüchtig. Die Bluetooth-Verbindung zum iPhone 6s und Garmin Zumo 590 ist sogar parallel stabil, der Ton ist gut und rauscht selbst bei hohen Lautstärken nur leicht. Das Tastenfeld ist mit Handschuhen besser bedienbar als sein Vorgänger, man kann jederzeit ertasten wo man ist.

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Beim Navigieren durch Menüs oder dem Einschalten von Funktionen spricht der Helm nun auch, was die Orientierung erleichtert. Das er beim Ausschalten allerdings "Good Bye" sagt, erinnert an das Batmobil in "Dark Knight", kurz bevor es explodiert. Aber das sind nur meine Assoziationen, und wenn man die Sprache auf deutsch umstellt, sagt das B5L in leicht knödeligem Tonfall "Auf Wiedersehen". Wobei man es eigentlich nicht mehr zwingend ausschalten muss. Das B5L geht automatisch nach 30 Sekunden aus, wenn der Helm nicht bewegt wird, und springt sofort wieder an, wenn es eine Bewegung registriert. Sehr gut!

Das die Tasten auch bei leichtem Druck funktionieren und das System rasend schnell startet ist eine echte Verbesserung gegenüber den schwergängigen Fummeldingern des eher trägen Vorgängersystems, das bis zu 10 Sekunden Startzeit benötigte.

Ein nettes Gimmick ist das UKW-Radio, mit dem sich bis zu 6 Sender programmieren lassen. Es verfügt über RDS und ist recht empfangsstark, eine verhältnismäßig große Antenne läuft entlang des hinteren Helmkragens. Die wird auch für die Kommunikation mit anderen Systemen benutzt, was Reichweiten bis zu 600 Metern zwischen bis zu sechs Motorrädern erlauben soll. Ausprobiert habe ich das nicht. Am hinteren Helmrand befindet sich auch der USB-Port, über den der Akku geladen wird und man den Helm auch an einen PC hängen kann. Dadurch kann man die Firmware aktualisieren, Radiosender speichern u.ä. Solche Einstellungen lassen sich auch über die App vornehmen, die es für Android und iOS gibt.

Da das ganze System intern verbaut und lediglich das kleine Bedienfeld außen am Helm ist, gibt es keine zusätzlichen Windgeräusche. Im Gegenteil: Der N104 mit verbautem Kommunikationssystem sogar leiser, denn an den Ohren des Fahrers sind nun statt sehr leichten Schaumpads die Lautsprecher in der Helmwand, die Fahrtgeräusche dämpfen.

In der Summe also auch hier eine solide Lösung mit Schwächen im Detail. Das B5L funktioniert in seiner Kernkompetenz, der Kommunikation, spitze. Alles ist hier verbessert und auf den neuesten Stand gebracht worden, Einbau und Bedienung könnten einfacher nicht sein und und das Radio ist ein nettes Gimmick.

Das nicht abnehmbare Mikro ist aber ein dicker Minuspunkt. Eine echte Frechheit ist die flimmsige Rückleuchte, die schlecht funktioniert und konstruktionsbedingt sofort bei der ersten Helmöffnung nach Installation kaputtgehen MUSS. Ich bin ein großer Fan solcher Gimmicks, aber hier muss Nolan sich echt was besseres einfallen lassen - zumal dieses Spielding den Preis der ohnehin nicht günstigen B5-Lösung um über 100 Euro hochtreibt. Für einen Listenpreis, der mit 280 Euro fast auf dem Niveau der Kosten für einen Helm liegen, ist das nicht genug.

Und zusammengefasst?
Als Fazit kann man festhalten: Das Gespann aus dem N104 Helm und dem B5L-Bluetooth-Kit ist gut, aber nicht perfekt. Zwar ist alles rock solid und gut verarbeitet, aber Schwächen gibt es in kleinen Details und natürlich dürfte der Helm leiser sein. Für mich ist das OK, ich kann mit den Schwächen leben und meine Bedarfe werden abgedeckt. Ein wichtiger Faktor ist für mich das Preis-Leistungsverhältnis. Hier ist Nolan ungeschlagen, aktuell besonders beim Auslaufmodell Evo.

Da der Unterschied zwischen Evo und dem 2016er Modell "Absolute" nur in anderen Polstern bestehen, kann man beim Evo bedenkenlos zuschlagen. In dieser Preisklasse gibt es aktuell schlicht keine anderen Helme mit vergleichbarer Ausstattung in dieser Qualität.

Das N-Com B5L ist dagegen in der jetzigen Form sein Geld nicht wert. Wer ein aktuelles N-Com möchte, sollte zum günstigeren B5 greifen. Das ist Baugleich zum B5L, lediglich die labile ESS-Leuchte fehlt. Alternativ bietet sich das Vorgängersystem B4 an, das auch in den N104 passt und seinen Zweck erfüllt - lediglich auf Apps und solchen Spielkram muss man dann allerdings verzichten.
Zuletzt geändert von Silencer am 25.07.2016, 08:51, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Tourenklapphelm: Nolan N104 Evo mit N-Com B5L ESS

Beitragvon Zauberer » 25.07.2016, 08:18

Was für ein ausführlicher und sehr objektiver Bericht. =D>
Da sollte man doch glatt den Nolan-Leuten den Link zukommen lassen. Für solche Testberichte müssen sie sonst viel Geld investieren.
der Zauberer
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Re: Tourenklapphelm: Nolan N104 Evo mit N-Com B5L ESS

Beitragvon Silencer » 17.09.2016, 19:41

[Nachtrag 16.09.16:] Nolan hat sich superfreundlich hinsichtlich der abgerissenen Bremsleuchte gezeigt und das System einfach so repariert. Ich hatte ein supernettes Gespräch mit einem Techniker der deutschen Niederlassung, dann das Gerät eingeschickt und es repariert zurückbekommen. Weder für Arbeitszeit noch für Ersatzteil wollten sie Geld haben - obwohl ich die Reparatur bezahlen wollte, immerhin war ich selbst Schuld, dass das Kabel abgerissen ist. Das ist superguter Service. Besser funktionieren tut die Bremsleuchte dadurch natürlich nicht :D
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